Über Writers in Prison

Was ist Writers-in-Prison?
Von Wolfgang Martin Roth
(Beauftragter WiP des Österr.PEN)

Das Writers-in-Prison-Committee nimmt in PEN International eine Sonderstellung ein, nicht nur, weil es lang vor Amnesty International und ähnlichen sich für die Menschenrechte einsetzenden Organisationen tätig wurde, sondern weil es der personalisierteste Seismograph ist: Einzelne Menschen, die nichts anderes tun, als ihre dem eigenen Gewissen verpflichtete Meinung zu äußern und dafür verfolgt werden, werden in bekannt gemacht, damit die Welt weiß, welches Ungerecht an ihnen begangen wird. Da Literatur stets personalisiert und individualisiert, ist das WiP eines der z e n t r a l e n Anliegen des PEN. Das Writers-in-Prison-Committee des PEN International wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgten Verleger_Innen, Redakteur_Innen, Illustrator_Innen und Journaliste_Innen nimmt sich das Komitee inzwischen an.

Es gibt jedoch einen wichtigen Vorbehalt: Gefangene, die wegen Propagierung von Gewalt oder gar ihrer Anwendung verurteilt wurden, und solche, die zum Rassenhass aufgerufen haben, werden nicht unterstützt, weil ihre Aktivitäten mit der Charta des PEN International unvereinbar sind.

Zweimal jährlich legt das Writers-in-Prison-Committee der Londoner Zentrale eine aktualisierte Auflistung (Caselist) vor, die sämtliche ihm bekannt gewordenen Fälle beinhaltet. Die Angaben werden ständig aktualisiert. Das Sekretariat des Writers-in-Prison-Committees in der Londoner Zentrale von PEN International sammelt Informationen über die Gefangenen und gibt sie an die nationalen Zentren weiter. Die einzelnen Landeszentren, die sich auf einzelne Länder/Regionen spezialisieren, geben ihrerseits die Erfahrungen an London zurück. Als Informationsquellen dienen Presseberichte, Recherchen von Menschenrechtsgruppen, Berichte von Verwandten und Freunden der Verfolgten oder von PEN-Mitgliedern aus diesen Ländern.

Derzeit wirken 58 der insgesamt 140 PEN-Zentren weltweit aktiv im Writers-in-Prison-Committee mit. Jedes dieser Zentren ernennt verfolgte Autoren zu honory members und nimmt sich ihrer an. Auf diplomatischen Kanälen oder in öffentlichen Kampagnen machen besondere Beauftragte auf deren Schicksal aufmerksam, um die Freilassung der Gefangenen zu erwirken. Sie korrespondieren mit den Angehörigen der Gefangenen, wenn möglich auch mit diesen selbst. Sie schreiben Artikel über ihre inhaftierten Kolleg_Innen und setzen sich dafür ein, dass deren Arbeiten übersetzt, in öffentlichen Lesungen bekanntgemacht und publiziert werden.

Das Österreichischen Writers-in-Prison-Committee setzt sich zurzeit für inhaftierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, auch Journalisten, im Iran, in Katar und Ägypten und im Kamerun ein. Darüber hinaus gibt es „stille“ Strategien: Österreichische PolitikerInnen, die in Länder reisen, die als schwierig im Bereich der Menschenrechte gelten, werden vom WiP-Committee gebeten, die „Fälle der Menschenrechtsverletzungen“ anzusprechen. Diese stille Diplomatie ist häufig erfolgreich. Ein entsprechender Dank an die PolitikerInnen sei an dieser Stelle nachdrücklich vermerkt und ausgesprochen.

Die Türkei hat sein Anbeginn ihrer staatlichen Gründung schwere Probleme mit der Meinungsfreiheit. AutorInnen und JournalistInnen wurden/werden verfolgt, wenn sie regierungskritische Positionen vertreten, kurdenfreundliche Positionen vertreten oder durch Feststellung des türkischen Volkmords an den Armenieren, angeblich das „Türkentum“ beleidigten. Was sich in den letzten Wochen ereignet, ist die massivste Einschränkung der Meinungsfreiheit, die es je in einem NATO-Land gegeben hat, seitdem die Obristen in Griechenland an der Macht waren. Die Verstöße gegen die Meinungsfreiheit, die Freiheit von Forschung und Lehre gehen in die Zehntausende. Solch eine Dimension der Missachtung des Artikel 19 der Menschenrechtskonventionen überschreitet den hier vorgegebenen Rahmen.


Ich habe persönlich Autoren gekannt, die sich dazu entschlossen haben, verbotene Themen aufzugreifen, bloß deswegen, weil sie verboten waren. Ich glaube, ich bin da auch nicht anders. Denn wenn ein anderer Schriftsteller in einem anderen Haus nicht frei ist, dann ist kein Schriftsteller frei. Dies ist tatsächlich der Geist, der die Solidarität durchdringt, die vom PEN International, von den Autoren auf der ganzen Welt gespürt wird.
Orhan Pamuk

Die Vereinten Nationen umfassen rund 200 Mitglieder. Alle Mitgliedsländer der UN haben die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ (1948) unterschrieben, in der im Artikel 19 steht:

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Drei Viertel aller in der UN vertretenen Staaten verstoßen massiv gegen die Meinungsfreiheit. Hunderte von Schriftsteller_Innen, Reporter_Innen und Blogger_Innen, sitzen im Gefängnis: Sie vertreten ihre eigene Meinung.

Zu den Mechanismen staatlicher Repression gehören Inhaftierung, Folter, und Ermordung. Es kommt zu Verurteilung wegen fingierter Anklagen bzw. wegen des Vorwurfs Religion, Gott und Staatsoberhäupter zu beleidigen. In vielen Ländern treten noch unterschiedliche Separatisten, Befreiungsbewegungen, Widerstandsgruppen auf den Plan, die Schreibende verfolgen.

Das Writers-in-Prison-Committee des PEN International engagiert sich weltweit, um auf Unterdrückung aufmerksam zu machen. Dies ist eine Aufgabe, die Kontinuität verlangt. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Medien, für die Nachrichten zur Ware werden, arbeitet das WiP-Committee unabhängig davon, ob ein Land aufmerksam gecovert wird oder sich im Windschatten der medialen Aufmerksamkeit befindet.

What is Writers in Prison?

By Wolfgang Martin Roth (representative of Writers in Prison for Austrian PEN) - translated by Erin Bradshaw

The Writers in Prison committee occupies a special place within International PEN. It has been active for far longer than Amnesty International or other similar organisations, and has a unique motto. Writers in Prison works with individual people, who have done nothing but voice their own opinions, in line with their conscience, and who are persecuted for it. Writers in Prison aims to tell their stories, so that the injustices taking place are made public. Since literature is unfailingly personal and individual, Writers in Prison is one of the central objectives of PEN. The Writers in Prison Committee at PEN International was founded in 1960, as a reaction to the worrying increase in the number of countries which try to silence writers through repression. Meanwhile, the Committee also aids persecuted publishers, editors, illustrators and journalists.

However, there is an important restriction: persecuted individuals who have have propagated conflict or the use of it, and those who have invoked racism are not supported, because their activities are not in line with the PEN International Charta.

Twice a year the Writers in Prison Committee for the London Centre presents an updated caselist, containing the full details of cases which they know of. The data is continually updated. The secretary of the Writers in Prison Committee for the London Centre of PEN International collects information about those who are imprisoned, and passes it on to national centres. These individual centres specialise in aiding imprisoned people in particular countries, therefore they can reply with their particular knowledge. Press reports, research by human rights groups, accounts from relatives and friends of the persecuted and PEN members from these countries all serve as sources of information.

Currently, 50 out of the 140 PEN centres in the world contribute actively to the Writers in Prison committee. Each one of the centres takes on persecuted authors as honorary PEN members. Through both diplomatic channels and public campaigns, special representatives draw attention to the fate of the prisoners, in order to secure their release. They correspond with the families of the prisoners, and when possible, with the prisoners themselves. They write articles about their arrested colleagues, and work to ensure that their work is translated, publicised and published. 

The Austrian Writers in Prison Committee works currently with imprisoned writers and journalists in Iran, Qatar, Egypt and Kameroon. Furthermore, there are 'silent' strategies, whereby Austrian politicians are  asked by the WiP Committee that when they visit these countries, they address these instances of human rights violations. 

Turkey has had, since the founding of the state, grave  problems with freedom of expression. Authors and journalists were and are persecuted if they take up a critical position regarding the government, if they advocate for the Kurdish, or if they offend 'Turkishness' by addressing the Armenian Genocide. What has transpired there in the last few weeks is the most enormous restriction of freedom of expression that there has been in a NATO country since the Obrist regime in Greece. The violations of freedom of expression, of freedom within research and teaching, are reaching the tens of thousands.  Such a scale of contempt towards article 19  of the Universal Declaration of Human Rights exceeds the prescribed framework.

I have previously known authors who have decided to address forbidden themes, simply because they were forbidden. In this respect I am no different, because if a writer in another house isn't free, then no writer is free. This is the spirit which infuses solidarity, which PEN International and all of the writers in the world can feel. - Orphan Pamuk

The United Nations comprises of around 250 members. All of the members of the UN have signed the Universal Declaration of Human Rights (1948), in which stands article 19:

Everyone has the right to freedom of opinion and expression; this right includes freedom to hold opinions without interference and to seek, receive and impart information and ideas through any media and regardless of frontiers. 

Three quarters of all of the countries making up the UN violate hugely the right to freedom of expression. Writers, reporters and bloggers are in danger due to championing their own opinion. 

Imprisonment, torture and murder are all mechanisms of state repression. Convictions take place for fake charges, or because individuals have insulted religion, God, or the head of state. In many countries separatists, liberation groups and resistance groups are subject to the same persecution as writers. 

The Writers in Prison Committee for PEN International works all over the world to make oppression evident. This is a task requiring continuity. In contrast to the growing commodification of the media, the WiP Committee works independently to address whether a country is being aptly publicised, or whether it finds itself in the slipstream of media awareness. 

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