Writers in Prison

Unterstützungsaufruf für die Initiative zur Einrichtung eines Literaturpreises und eines zusätzlichen Literaturstipendiums für verfolgte Schriftsteller/innen

des Writers-in-Prison Komitees des Österreichischen PEN, der IG Autorinnen Autoren, der IG Übersetzerinnen Übersetzer …

Wenn Sie unterzeichnen möchten, schicken Sie bitte ein E-Mail mit
Name, Beruf/Funktion und Ort an:
gr@literaturhaus.at (Gerhard Ruiss, IG AutorInnen) oder
info@penclub.at (WiP-Komitee PEN Austria)

Kernpunkte der Initiative sind:
1. Einrichtung eines Literaturpreises für verfolgte Exilautor/inn/en in Würdigung ihres schriftstellerisches (Gesamt)Werks. Dieser Preis soll jährlich in einem Festakt auf der Buch Wien vergeben werden.
2. Einrichtung eines Literaturstipendiums für verfolgte Schriftsteller/innen der Stadt Wien mit zweijähriger Laufzeit
3. Flankierende Maßnahmen auf der Buch Wien

In den letzten Jahren hat sich die Situation der Menschenrechte weltweit verschlechtert. Zentral in diesem Prozess ist insbesondere die gravierende Verschlechterung der Situation der Meinungs-und Ausdrucksfreiheit in vielen Ländern, für die die Türkei als akutes Beispiel zu nennen ist. Unseres Erachtens ist es deshalb ein Erfordernis der Zeit, das Thema Menschenrechte stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und noch deutlichere Aktivitäten auf diesem Gebiet zu entwickeln. Wien als Menschenrechtsstadt bietet dafür sehr gute Voraussetzungen. Auch die Tatsache, dass Wien Sitz verschiedener Internationaler Organisationen ist und sich immer die Chance einer Mittlerfunktion offen gehalten hat, die international wahrgenommen wird, ist ein glücklicher Umstand, den es zu nutzen und deutlich stärker zu profilieren gilt.

Erläuterungen zu den einzelnen Punkten:

1. Der Österreichische Literatur-Preis für verfolgte Exilautor/inn/en sollte als internationaler Preis markiert sein, dessen Höhe von € 15.000 mit entsprechender Signalwirkung ausgestattet ist. Er hat die Zielsetzung, daran mitzuwirken, die verlorene Reputation eines/einer exilierten Autors/Autorin wiederherzustellen. Als fester zusätzlicher Bestandteil des Preises gilt die Veröffentlichung einer Werkauswahl der geehrten Person in Österreich. Die Finanzierung des Preises sollte eine Mischfinanzierung von Bund und Stadt Wien sein, zusätzlich sollten der Verband österreichischer Verleger und die Literar Mechana für die Mitfinanzierung gewonnen werden. Durch die Verleihung auf der Buch Wien würde auch die Buch Wien eine Aufwertung erfahren. Durch die Preisverleihung und die Veröffentlichung der Werkauswahl in deutscher Sprache wird es möglich, auf ein bedeutendes verfolgtes Gesamtwerk aufmerksam zu machen. Eine kompetente Jury wird die Auswahl des/der Preisträgers/Preisträgerin vornehmen.

2. Das neu einzurichtende zweijährige Literatur-Stipendium der Stadt Wien für verfolgte Schriftsteller/innen beinhaltet die Bereitstellung einer Wohnung und eine Unterhaltszahlung, die Krankenversicherung und ein kostenlos zur Verfügung gestelltes Ticket der Verkehrsbetriebe. Das monatliche Stipendium sollte sich an der Höhe der Bundesstipendien orientieren. Die Abwicklung des Stipendiums erfolgt über die IG Autorinnen Autoren oder den Österreichischen PEN Club. Die IG Übersetzerinnen Übersetzer hat sich bereit erklärt, die persönliche Betreuung der Stipendiat/inn/en zu übernehmen, wie sie dies bereits seit vielen Jahren für die Stipendiat/inn/en des Programms „Writers in Exil“ seit dem Jahr 2000 tut. Der Österreichische PEN erklärt sich bereit, die Stipendiat/inn/en bei Veröffentlichungen und Lesungen zu unterstützen. Der Autor/die Autorin sollte auf der Buch Wien mit einer Lesung vorgestellt werden. Die Finanzierung des Stipendiums sollte durch die Stadt Wien erfolgen, die auch die Wohnung bereitstellt. Die Stipendiat/inn/en werden in Zusammenarbeit von Writers-in-Prison des Österreichischen PEN und der IG Autorinnen Autoren und der IG Übersetzerinnen Übersetzer ausgewählt. Das einzige Stipendium für verfolgte Autorinnen und Autoren, das Wien seit Jahren im Programm „Writers in Exile“ unterhält, reicht nicht mehr. Dieses Stipendium bestand schon lange bevor Wien sich zur Menschenrechtsstadt mit eigenem Menschenrechtsbüro und eigener Menschenrechtsbeauftragter erklärt hat. Es gilt gerade jetzt, hier ein Stipendium einzurichten, das speziell als Literaturstipendium für verfolgte Schriftsteller/innen mit der entsprechenden Signalwirkung etabliert wird. Die massive Verschlechterung der Lage der Menschenrechte weltweit macht weitere Maßnahmen erforderlich. Schriftsteller/innen sind besonders betroffen, wenn sie ins Exil getrieben werden, sie verlieren alles: ihre Reputation, ihre Leser/innen, ihre Existenz und sogar ihre Sprache. Ein internationaler Vergleich von Ländern vergleichbarer Größe zeigt deutlich, dass in Österreich mit zwei Stipendien (je eines in Wien und Graz) im Vergleich zu den skandinavischen Ländern (z.B. Norwegen 14 Stipendien; Schweden 22 Stipendien) die hohe Bedeutung dieser Förderung noch nicht in vollem Ausmaß erkannt wurde.

3. Flankierende Maßnahmen

a) Jährlich wird auf der Buch Wien (Hauptverband noch nicht angefragt) in Zusammenarbeit von Writers-in-Prison des Österreichischen PEN und der IG Autorinnen Autoren und der IG Übersetzerinnen Übersetzer eine öffentliche Diskussion zum Thema Meinungs-und Ausdrucksfreiheit stattfinden, als fixer Programmpunkt unter dem Namen: Das freie Wort. Hier werden Menschenrechtsaktivist/inn/en und verfolgte Autor/inn/en zu Wort kommen.

b) Lesung: Auf der Buch Wien wird der/die jeweilige Stipendiat/in des Literaturstipendiums aus seinem Werk lesen. Die Organisation übernimmt Writers-in-Prison in Zusammenarbeit mit der IG Autorinnen Autoren und IG Übersetzerinnen Übersetzer. Das Honorar für den/die Autor/in wird aus Sponsorengeldern bestritten, die die Organisatoren aufstellen.

c) Auf der Buch Wien wird eine Menschenrechtsstunde etabliert (Hauptverband noch nicht angefragt), wo an einer festgesetzten Tagesstunde aus Werken inhaftierter oder verfolgter Schriftsteller/innen gelesen wird, um diesen Autorinnen und Autoren hierzulande Stimme zu verleihen. Die Texte werden gelesen von Kolleg/inn/en des Writers-in Prison Komitees des österreichischen PEN und der IG Autorinnen Autoren und IG Übersetzerinnen Übersetzer, die diese Veranstaltung ebenfalls organisatorisch betreuen.

Gerhard Ruiss
Österreichscher PEN-Club IGAutorinnen und Autoren

Wolfgang Martin Roth
Beauftragter für Writers in Prison Geschäftsführer