Honorary Members 2021

Das Writers in Prison Komitee nimmt jedes Jahr SchriftstellerInnen, JournalistInnen, ÜbersetzerInnen und BloggerInnen als Honorary Members auf. Der Österreichische PEN setzt sich zudem im Rahmen des Rapid Action Network laufend für verfolgte und inhaftierte SchriftstellerInnen ein.

lMaung Thura (Zargana)

Der 1961 in Rangun, Myanmar, geborene Komödiant, gefeierte Poet, Schriftsteller und Regisseur setzte seine künstlerischen Fähigkeiten stets dazu ein, um auf die misslichen politischen Verhältnisse aufmerksam zu machen. 1988 wurde Zargana erstmals inhaftiert, als er in einer Demonstration, die demokratische Reformen forderte, eine gewichtige Rolle spielte. Da ihm in der Zelle Lesen und Schreiben verboten wurde, rührte er aus Ziegelstaub und Wasser einen dünnflüssigen Brei, mit dem er Gedichte auf den Fußboden schrieb, um sie auswendig zu lernen. Danach löschte er die Texte. Nach sechs Monaten Haft wurde Zargana entlassen. 1990 wurde er während einer politischen Versammlung, auf der er seine Scherze gegenüber den Machthabern gemacht hatte, erneut verhaftet und ins Gefängnis Insein eingeliefert. Fünf Jahre wurde er in Einzelhaft gehalten. Nach seiner Entlassung entfaltete er seine sozialen Aktivitäten und arbeitete eng mit internationalen NGOs zusammen. Während der „gelben Revolution“ erhob er laut seine Stimme, was ihm drei Wochen Haft eintrug. Im Juni 2008 wurde er erneut ins Gefängnis gesteckt, weil er die Ineffizienz und Korruption der burmesischen Behörden in der Bekämpfung der durch den Wirbelstrom Nargis verursachten Schäden kritisierte. Im November 2008 wurde er wegen „Herabwürdigung staatlicher Verordnungen“ zu 59 Jahren Haft verurteilt, das Strafausmaß wurde später auf 35 Jahre herabgesetzt. Ende 2008 wurde Zargana ins Myitkyina Gefängnis in Nordburma überstellt, welches 1500 km von seinem Familienwohnsitz entfernt ist. 2009 wurde der Autor mit dem „PEN/Pinter Price for an International Writer of Courage“ ausgezeichnet. Aufgrund seiner jahrelangen Verfolgung ist Zargana Honorary Member des Writers in Prison Komitees Österreich. 2008 wurde er zu Gefängnisstrafen von insgesamt 58 Jahren verurteilt, 2011 wurde er mit tausenden anderen Häftlingen freigelassen und konnte in die USA einreisen.

Am 6. April 2021 wurde Zargana in seinem Haus festgenommen und von Militärangehörigen an einen unbekannten Ort gebracht. Das Writers in Prison Komitee schließt sich dem Protest des PEN International an und verurteilt die Verhaftung des Satirikers und Dichters. „Myanmar must release him and all other writers who remain in detention. Myanmar must also institute an immediate inquiry into the killing of civilians and prosecute those security officials who have used disproportionate force against the non-violent civil disobedient movement”, so Salil Tripathi, chair of PEN International’s Writers in Prison Committee. Zarganas momentaner Aufenthaltsort ist unbekannt. Mit ihm wurden 60 weitere AutorInnen, MusikerInnen und JournalistInnen festgenommen. 

PEN Myanmar Joint Statement: “Call to the Global Creative Community to Show Solidarity with the People of Myanmar”

Maung Thura Zargana

Mit Reihen von Eisenstäben
können sie mich einsperren
Mit der Hitze von sieben Sonnen können sie mich grillen
Mit einem Bataillon von Ungeheuern können sie mich bewachen 

Aber nähme ich mein scharlachrotes Blut
und versprühte es über den gesamten Himmelsbogen schmölzen die Eisenstäbe
knieten die Ungeheuer
Ihre Sonnen vollzögen vor mir den Kotau 

(Übertragen aus dem Englischen von Helmuth A. Niederle)

aus: Helmuth A. Niederle (Hg.), Die Mauern des Schweigens überwinden, Löcker Verlag. Wien 2009.


Perhat Tursun

Der uigurische Schriftsteller, Dichter und Kulturkritiker Perhat Tursun ist Ende Januar 2018 in Ürümqi, der Hauptstadt des „Autonomen Uigurischen Gebiets Xinjiang“ verschwunden. Die Nachricht von seinem Verschwinden war in einer verschlüsselten Nachricht durchgesickert: Tursuns Freund, der inzwischen im amerikanischen Exil lebende Tahir Hamut, ein Filmemacher, Dichter und Literaturkritiker, hatte von einem gemeinsamen Bekannten erfahren, dass Perhat Tursun „hospitalisiert“ worden sei.  Im Februar 2020 tauchten Berichte auf, dass Tursun zu sechzehn Jahren Haft verurteilt worden sei. Diese Nachrichten sind bisher nicht bestätigt, auch Information über die Anklagepunkte, den Standort des Gerichts und das Datum der Urteilsverkündung geben die chinesischen Behörden nicht heraus. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt.  

Perhat Tursun wurde 1969 in Atush, im Südwesten des „Autonomen Uigurischen Gebiets Xinjiang“ in China geboren. Er promovierte an der Zentralen Nationalitäten-Universität, der Minzu University of China in Beijing und arbeitete als Forscher am „Xinjiang People‘s Art Center“ in Ürümqi. Tursun, der bereits in der Mittelschule begann Gedichte zu schreiben, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössichen Schriftsteller in uigurischer Sprache. Bekannt sind unter anderem seine Romane „The Art of Suicide“ und „Messiah Desert“ sowie sein Gedichtband „One Hundred Love Lyrics.“

Im Herbst 2021 veröffentlicht der Österreichische PEN Texte von Perhat Tursun.

Joshua Freedman, Ph.D. Candidate in Inner Asian and Altaic Studies at Harvard University, introduces and presents a translation of Uyghur poet Perhat Tursun’s “Elegy.”

Perhat Tursun: Elegy

Über Perhat Tursun

Xinjiang Victims Database


Volha Kalackaja

Am 15. Januar 2021 wurde die Literaturübersetzerin Volha Kalackaja in Minsk festgenommen. Man verhaftete sie in ihrer Wohnung fest und eröffnete ein Verfahren nach Paragraph 342 des Strafgesetzbuches der Republik Belarus: „Organisation und Vorbereitung von Handlungen zur groben Störung der öffentlichen Ordnung oder Beteiligung daran“, es drohen bis zu drei Jahre Haft. Volha Kalackaja ist eine Übersetzerin aus dem Englischen. Sie übertrug unter anderem Timothy Snyder, Margaret Atwood, Tony Parson und Arthur Golden ins Belarussische.

Margaret Atwood schrieb in einer Protestnote des amerikanischen PEN: „Es ist schrecklich mitansehen zu müssen, wie brutal und unablässig die belarussische Regierung gegen die Menschen vorgeht, die sich nichts anderes wünschen, als in einem demokratischen Land zu leben und ihre Rechte respektiert zu sehen. Besonders unerträglich ist das, wenn SchriftstellerkollegInnen und Mitglieder der Literaturszene der Verfolgung ausgesetzt sind. Ich hoffe inständig, dass Volha und alle in Belarus unrechtmäßig Inhaftierten unverzüglich freigelassen werden.“ 

Protestnote Margaret Atwood

Das Writers in Prison Komitee schließt sich den internationalen Protesten und der Protestnote der IG ÜbersetzerInnen, IG AutorInnen, Literaturhaus Wien, Österreichische Gesellschaft für Literatur u.a. an.

Protestnote Österreichischer PEN


Alaa Abd El Fattah

Der Blogger und Aktivist wurde während des Arabischen Frühlings 2011 verhaftet, und 2019 nach fünf Jahren Haft entlassen.  Während der ägyptischen Proteste im September 2019 wurde er erneut verhaftet und gefoltert. Der Österreichische PEN setzte sich wiederholt für El Fattah ein. Er wartet auf den Prozess. (Caselist 2019)

Informationen über Alaa Abdel Fattah

Petition 2017


Sami Çomak

Der an der Universität Istanbul Geografie studierende Ilhan Sami Çomak wurde 1994 verhaftet, und 22 Jahre in Untersuchungshaft festgehalten. 2015 verurteilte man ihn zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Nach 19 Tagen schwerer Folter unterzeichnete er ein Statement, in dem er zugeben musste, im Namen der Kurdischen Arbeiterpartei ein Feuer in einem Wald in der Nähe von Istanbul gelegt zu haben. Ilhan hat seine Unschuld immer wieder beteuert. Im Gefängnis verfasste er acht Gedichtbände, der letzte Band ‚Geldim Sana‘ (‚I came to you‘), wurde 2019 mit dem Sennur Sezer Prize for Poetry ausgezeichnet. Der norwegische PEN-Club initiierte eine globale Kampagne um Ilhans sofortige Entlassung zu fordern. Der Österreichische PEN-Club schließt sich dem Protest an, und ersucht um Unterstützung und Teilnahme.

Global Campaign

Jimié Kmeil

Der 1960 geborene eritreische Sportjournalist, Jimi’e Kmeil, wurde am 24. November 2005 verhaftet, er ist seit 15 Jahren ohne Gerichtsverfahren in Gefangenschaft. Niemand weiß, wo er gefangen gehalten wird und ob er überhaupt noch lebt. Kmeil ist seit 2015 Ehrenmitglied des Österreichischen PEN, dessen Writers-in-Prison Komitee sich mit zahlreichen anderen Menschenrechtsorganisationen weltweit für seine Freilassung einsetzt. Er ist einer von dreißig JournalistInnen und SchriftstellerInnen in Eritrea, die Opfer der menschenverachtenden Politik des Verschwindenlassens der eritreischen Regierung sind, einige von ihnen sind sogar seit 2001 ohne Verfahren inhaftiert, Angehörige und Anwälte haben keinen Zugang zu den Gefangenen, ihr Aufenthaltsort wird geheim gehalten, es gibt keinerlei Lebenszeichen.


j Dawit Isaak

Der 1964 in Eritrea geborene eritreisch-schwedische Schriftsteller und Journalist war 1987 als Flüchtling nach Schweden gekommen und hatte 1992 die dortige Staatsbürgerschaft angenommen. Nach der Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 kehrte er in sein Heimatland zurück, wo er als Journalist für die von ihm mitgegründete Zeitung Setit arbeitete und sich für die Redefreiheit einsetzte. 2001 wurde er verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Zuletzt gesehen hat man Dawit Isaak 2005, als seine Haft kurz unterbrochen wurde, um Verletzungen, die ihm durch Folter zugefügt wurden, zu behandeln. Danach wurde er sofort wieder ohne Urteil oder Anklage und ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft genommen. Internationale Versuche der Intervention blieben bis dato erfolglos.

Der Österreichische PEN übersetzte und veröffentlichte:

Dawit Isaac: Hoffnung und andere Texte. Band 147. Löcker Verlag, Wien 2019,

zu bestellen: info@penclub.at

In Schweden engagieren sich die vier größten schwedischen Tageszeitungen seit März 2009 für seine Freilassung und führen die Kampagne free dawit.

Vor wenigen Wochen hat „Reporter ohne Grenzen“ Strafanzeige gegen den Präsidenten Eritreas, Isaias Afewerki, gestellt. Der Vorwurf lautet auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Mit der Strafanzeige soll erreicht werden, dass die schwedische Justiz endlich zum Fall Dawit Isaak ermittelt und die Verantwortlichen wegen Folter, Entführung und erzwungenem Verschwinden-Lassen verfolgt. Eritrea hat am 22. Jänner 2002 – vor 18 Jahren und ein Jahr, nachdem Isaak inhaftiert wurde – den Pakt der Vereinten Nationen für zivile und politische Rechte unterschrieben, in dem auch das Recht auf persönliche Freiheit inkludiert ist.

Podcast „Perspektiven ohne Grenzen“ mit Wolfgang Martin Roth, 3.12. 2020